Maria Baumgärtle

 
Interview

„Beichten hat nichts mit Magie zu tun!“

MZ-Gespräch mit Pater Alois Schlachter über Baumgärtle und das Beichten Von Josef Hölzle

„Näher bei den Menschen zu sein“, ist heute ein beliebtes, aber meist wenig greifbares Versprechen der Werbung oder der Politik. Wer jedoch echte Nähe und wirkliches Verständnis sucht, braucht keine Werbesprüche. Viele Menschen fühlen sich vor allem in ihrer Religion gut angenommen. Ein Beispiel dieser unaufdringlichen Nähe zum Menschen liegt mitten im Unterallgäu. Der Wallfahrtsort Maria Baumgärtle ist seit fast zwei Jahrhunderten für viele gläubige Menschen eine Art „Tankstelle für die Seele“. Die Diözese verlieh Maria Baumgärtle den Beinamen „Geistliches Zentrum“. Pro Jahr suchen derzeit über 50 000 Wallfahrer, Pilger und Gottesdienstbesucher hier eine innere Einkehr oder geistlichen Beistand. Vor allem das Beichten als Sakrament der Vergebung und der Buße hat in Baumgärtle traditionell einen hohen Stellenwert. „Das ist für uns eine Hauptaufgabe und ein Dienst, den wir sehr gerne tun“, sagte der Rektor des Missionshauses, Pater Alois Schlachter, im Gespräch mit der MZ. Immerhin biete das „kleine Baumgärtle“ den Gläubigen mehr Beichtzeiten an als das „große Altötting“. Es sind etwa 5000 Beichten pro Jahr, die hier von vier Mitbrüdern im Beichtdienst „gehört“ werden. Dabei liegt der Schwerpunkt der Beichtenden um Allerheiligen, vor Weihnachten und vor allem in der Fastenzeit. So hat es heuer in Baumgärtle zwischen dem Aschermittwoch und dem Palmsonntag über 600 Beichten gegeben. Über die Bedeutung des Beichtens und über seine eigenen Erfahrungen als „Beichtvater“ sprachen wir mit Superior Pater Alois Schlachter:

Wer sind und woher kommen die Beichtenden in Baumgärtle?
„Es sind Frauen und Männer, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Diese kommen aus dem gesamten Allgäuer Raum. Zwischendurch hört man auch oberbayerischen Akzent, dann kommen auch Menschen aus der Nachbardiözese, das heißt aus Baden-Württemberg.“

Was bedeutet das Beichten dem Menschen, welche Motive gibt es und was suchen die Menschen?
„Viele unterschiedliche Motive spielen eine Rolle. Was mir wichtig ist: Beichte ist mehr bzw. etwas anderes als ein Beratungsgespräch, weil ja ein unsichtbarer Dritter am Werk ist. Meistens muss ich das nicht extra erwähnen, oft wird es im Geschehen spürbar. Das hat nichts mit Magie zu tun und ich erlebe die Beichtenden durchaus als verantwortungsbewusste Menschen, die es sich nicht leicht machen und gleichsam mit der Beichte einen bequemen Weg suchten. Im Übrigen macht Beichten menschlich und ist ein Weg zum Glauben. Es zeigt auch: ich bin auf Barmherzigkeit angewiesen.“

Bereiten sich viele Gläubige gezielt auf das Beichten vor?
„Ja, nicht wenige tun dies auch schriftlich – und nicht nur Kinder!“

Kann ein Bußgottesdienst die Beichte ersetzen?
„Man kann nicht Äpfel und Birnen vergleichen. Beides ist gut. In einer Pfarrei sollte es beides geben. Unser Spezialgebiet in Maria Baumgärtle ist allerdings die Beichte.“

Wie kann man Menschen mit überholten Vorstellungen zur Beichte animieren? Was tut die Kirche, um das Sakrament zu vermitteln?
„Papst Franziskus hat – zumindest in Rom – bereits einen Anstieg der Beichten bewirkt. Und ich hoffe, das zieht Kreise auch jenseits der Alpen. Ich würde nicht direkt Beichtwerbung machen. Wenn Menschen wieder lernen, über ihren Glauben ins Gespräch zu kommen (und nicht nur über kirchliche Reizthemen), dann ist das die beste Vorbereitung auf gute Beichten!“
Was spüren Sie als Geistlicher an Wandel (wie Not, Existenzangst, Beziehungskrisen…)?
„Vor allem habe ich den Eindruck, dass die berufliche Belastung für viele größer geworden ist und wird. Außerdem glaube ich auch, dass die Erfahrung von Einsamkeit in unserer Gesellschaft zunimmt.“
Gehen Erfahrungen aus den Kontakten/Gesprächen in die kirchliche Arbeit ein?
„Unbedingt! Zum einen bin ich ja reich beschenkt, wenn ich um das Ringen und Kämpfen meiner Brüder und Schwestern im Glauben etwas mit bekomme. Und oft genug fühle ich mich bei Beichten wie ein ganz kleines Licht, angesichts dessen, was da jemand erlebt und auch zu tragen hat. Und natürlich prägt das Gehörte auch meine Verkündigung.“





 
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