Maria Baumgärtle

 
Pilgerexerzitien im Öztal

19.-24. Juli 2015

Zusammengestellt von P.W.Klein, cpps

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Foto: T. Daufratshofer

Wir waren überrascht – auf einmal Mal vor uns ein kleiner, klarer Bergsee! Ein einladender Platz für die Rast nach mühevollem Aufstieg mit schwerem Rucksack. Ein Fußbad zur Erfrischung. Hier war der passende Ort für die Eucharistiefeier in der einzigartigen Kathedrale der Ötztaler Alpen.

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Foto: W.Klein

„Woher kommst Du und wohin gehst Du?“ (Gen 16,8) – Diese Frage des Engels an Saras Magd Hagar hat uns während der Pilgerexerzitien im Hochgebirge begleitet. – Sechs Tage miteinander unterwegs mit ständig neuen Perspektiven nicht nur in der äußeren, sondern auch in der inneren „Gebirgslandschaft“.

Sr. Christine Koretić:
„Es war für mich schon eine Herausforderung, die Botschaft, die uns die Heilige Schrift durch „Hagar“ zukommen lässt, in Impulse umzusetzen, die unseren Pilgern in ihre verschiedenen Lebenssituationen etwas mitgibt, was ihnen auf ihrem Weg mit Gott hilft, Vertrauen, Mut und Zuversicht stärkt und das Gottesbild am Gottesbild Jesu weiterwachsen lässt.“

Der erste Tag führte uns zur Hochstubai-Hütte, 3174 MüM. Hier blieben wir den ganzen nächsten Tag mit spirituellem Programm.

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Foto: T. Daufratshofer

S. B.:
„Beeindruckt hat mich an unseren wunderbaren Pilgerexerzitien im Hochgebirge die Gemeinschaft, das Füreinander-Dasein, und noch viel mehr die Größe Gottes, des Schöpfers; Augenblick für Augenblick diese wunderschöne Natur zu erleben, steil abwärts und steil aufwärts SEINE Hilfe zu erfahren.
Auch Hagar hatte einen steinigen Weg vor sich, und doch hat sie immer an Gott geglaubt: Er hat ihr seine wahre Größe gezeigt, sie von der Sklaverei befreit und ihr eine wunderbare Verheißung gegeben.
Dem, der an die Macht des kostbaren Blutes Christi glaubt, ist nichts unmöglich – so können wir den Weg mit unseren Familien, mit Freunden, mit unseren Nächsten gehen.“


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Foto: W.Klein

Am folgenden Tag nahmen wir einen weiten und anstrengenden Weg unter die Füße – über einen hochgelegenen Pass und zwei Gletscher, bis wir schließlich die nächste Hütte erreichten – die Hildesheimerhütte.

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Foto: T. Daufratshofer

S. C.:
„Schritt für Schritt, um Altlasten zurückzulassen.
Schritt für Schritt – um frei zu werden – um mit Ihm zu gehen und Ihn ganz nah zu spüren – in die Wahrhaftigkeit zu finden – um bei mir selbst anzukommen und auch bei Ihm.
Pilgern – mit Ihm – in seiner wunderbaren Schöpfung – um Teil des Großen Ganzen zu sein, bewusstes Sein im Hier und Jetzt – um den Augenblick zu leben. Dankbar für jede Sekunde dieser Lebenszeit.
Danke, Jesus, - für deine Liebe, für deinen Segen und deinen Frieden; für diese intensive Pilgerzeit und dafür, dass du immer bei uns bist.
Danke, Gott, für deine Herrlichkeit!“


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Foto: W.Klein

Sr. Christine hielt einen Impuls über Hagars Weg in die Freiheit und zitierte Phil Bosmans:
„Das Christentum ist seelisch gesund. Es entfaltet den Menschen. Es macht ihn frei von Ängsten und unsinnigen Begierden. Das Christentum ist ein Befreiungsprozess, der sich in erster Linie im Menschen selbst vollzieht. Ein Christ ist ein freier Mensch. Ein Mensch, der sich von tausend irdischen Fesseln freigemacht hat, um sich für Gott allein zu entscheiden und in Gott für alle Menschen, vor allem für die Schwachen, Armen und Ausgestoßenen. Das Christentum ist eine Therapie für Menschen dieser Zeit.“

Dazu meinte M. H.:
„In besonderer Erinnerung ist mir der Satz geblieben: ‚Wir sind doch auf dem Weg in die Freiheit.’ Ich habe noch darüber mit „Gefängnisausbruch“ gewitzelt, was aber an der Symbolkraft der Aussage nichts ändert.“

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Foto: T. Daufratshofer

R. W.:
„Besonders angerührt haben mich die Geschichten, die uns Schwester Christine aus dem Buch von Bischof Stecher über den Gletscherhahnenfuß vorgelesen hat.

Der Gletscherhahnenfuß ist ein unscheinbares Gebirgsblümlein, das auch in den allerhöchsten Gebirgslagen und bei widrigsten Umständen noch blüht. Trotz Kälte und Eis. Trotz Wind und kargem Boden.

Und genau dieses „trotzdem“ will ich mitnehmen in meinen Alltag. Die Lebensumstände lassen sich ja oft nicht ändern – aber ich darf trotzdem blühen.

Die über 3000 Meter hoch gelegene Hochstubaihütte, an der wir am zweiten Tag unserer Wanderung angekommen sind, ist umgeben von Fels. Grau in Grau. Nur zarte helle Farbtupfer sind zu sehen – der Gletscherhahnenfuß!

Ob Schwester Christine das mit dem Gärtner da oben abgesprochen hat, weiß ich bis heute nicht.“


Am nächsten Tag wanderten wir - wiederum über eine hohen Übergang, das „Gamsplatzl“ – zur Siegerlandhütte. Einige waren bereits derart gut trainiert, dass sie von der Hütte aus gleich noch einen Gipfel bestiegen haben.

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Foto: T. Daufratshofer

A. K.:
„Sich mit einer Gruppe ‚Gleichgesinnter’ auf den Weg – und dann noch ins Hochgebirge – machen zu dürfen, ist etwas sehr Schönes und bringt intensive Erfahrungen.
Ganz besonders beeindruckt hat mich die Hilfe von so vielen, als es mir nicht so gut ging. Das Feiern der heiligen Messe am „Gamsplatzl“ – nach einem Aufstieg in Stille einen Steinaltar bauen, die Erhabenheit und Stille der Natur während der hl. Messe, dem nachspüren, gemeinsam beten, bewegende Lieder singen und bewegende Worte hören – all das und vieles mehr fällt tief in die Seele und hinterlässt in mir ein starkes Gefühl der Dankbarkeit, der Weite, des Friedens und des Vertrauens. Schwer zu beschreibende Empfindungen, die meinen Alltag, mein Denken und Handeln, nachhaltig beeinflussen, mich tief beeindrucken und zum Nachdenken, Hinhören und Nachspüren einladen.“


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Foto: T. Daufratshofer

M. H.:
„Auf dem Weg vom Laubkarsee zur Hochstubai-Hütte. Ich gehe Schritt für Schritt, im gleichmäßigen Trott, langsam bergauf, über Steinflächen und Schneefelder. Zwischendrin leuchten im kargen Umfeld immer wieder ein paar Farbtupfen auf. Blumen mit einem Minimalanspruch an ihre Lebensbedingungen. Dazwischen auch der Gletscherhahnenfuß mit seinem ihm eigenen Kleinklima.
Das Kleinklima – das ist es, was wir daheim im Auge behalten können. Die Rettung des Weltklimas ist ein zu große Herausforderung für mich, aber mein Kleinklima in Ordnung zu halten, das ist ein Aufgabe, die überschaubar ist und im Bereich des Möglichen.“


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Foto: W. Klein

R. S.:
„Voll Vertrauen gehen ich den Weg mit dir, mein Gott... dieser Liedtext begleitet mich seit den Pilgerexerzitien in meinem Alltag. Er gibt mir Halt und Trost. Und ich denke an den Gletscher-Hahnenfuß, den „Trotzdem-Blüher“. Ein Besonderes Erlebnis waren die „Hochämter“ auf 3000 m Höhe. Danke, Jesus.“

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Foto: T. Daufratshofer

Miteinander und allein unterwegs, Schweigen und Gespräch, Eucharistie feiern, Beten und singen – sechs Tage mit der Frage: WOHER KOMMST DU UND WOHIN GEHST DU? – Eine Erneuerung an Leib, Seele und Geist. Manches ist in der Tiefe des Herzens aufgebrochen und hat Heilung und Befreiung gefunden. Dankbar kehren wir am 6. Tag in sanftem Abstieg durch das lange Windachtal hinaus in den Alltag zurück.



 
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